Leseprobe

 

Prolog

Bereits beim ersten Mal, als ich sie sah, war es um mich geschehen. Sie war eine außergewöhnliche Frau. Hinreißend, gebildet und strahlte einen Sex-Appeal aus, bei dem mir ganz schwindlig wurde.
Ihre breiten Hüften luden dazu ein, sich festzuhalten, sich an sie zu schmiegen und die Wärme ihres Körpers zu genießen. Ihre Brüste, die sich bei jedem Atemzug bewegten, waren wie Magnete, zu denen ich immerfort blicken musste.
Aber nicht nur das, die Art wie sich ihr Mund bewegte, wenn sie sprach. Wie sie einzelne Worte mit ihren Lippen formte und dabei eine Augenbraue hochzog.
Und dieser fruchtig frische Duft, der an ihr haftete.
Doch sie würde mir nie gehören können. Ihre Liebe gehörte einem anderen. Einem der sie genau auf dieselbe Art und Weise liebte, mit allem, was ein Herz bereit war zu geben.
Alles, was ich tun konnte, war auf sie aufzupassen und sie zu beschützen. Ich würde mein Leben für sie geben.

 

 


Kapitel 1 Giana

Schweißgebadet wachte ich auf. Draußen dämmerte es bereits. Ein Blick auf die Uhr verriet, dass es erst kurz nach fünf war, am frühen Morgen. Wieder ein Traum, der mich aus dem Schlaf gerissen hatte, wie so oft in den letzten Wochen. Die Erregung, die mich immer erfasste, wenn ich träumte, schien mich auch heute wieder zu überwältigen. Doch ich kämpfte dagegen an.
Da ich jetzt hellwach und an Schlaf nicht mehr zu denken war, beschloss ich aufzustehen und mir einen Kaffee zu kochen. Ich bereitete mir nur eine Tasse zu, später würde ich sicherlich noch genug von dem schwarzen Gebräu trinken.
Während ich in meinem Kaffee rührte, dachte ich an den Traum, den ich eben gehabt hatte. Vor allem an den Mann. Antonio.
Seitdem Schuss auf ihn, hatte er sich verändert. Zwar saß der Mann, der das getan hatte im Gefängnis, doch Antonio hatte mit dem Angriff auf sich zu kämpfen. Er war nicht mehr der Mann, den ich kannte und den ich heimlich bewunderte, weil ich bis über beide Ohren in ihn verliebt war.
Antonio war in sich zurückgezogen, befahl mich weder zu sich für eine Session, noch meldete er sich bei mir. Es war bereits einige Wochen her, seit dem wir uns das letzte Mal gesehen hatte. Ich verdrängte diese Erinnerung, da sie zu schmerzhaft für mich war.
Für heute wollte ich ihn vergessen, denn ich freute mich auf das Treffen mit Viola. Mit der Tasse Kaffee in der Hand lief ich zu meinem Kleiderschrank und durchwühlte ihn regelrecht auf der Suche nach etwas Bequemen. Ich entschied mich für einen grauen Hosenanzug mit passenden Highheels. Die Kleidung legte ich auf mein Bett, trank den nur noch lauwarmen Kaffee aus und hüpfte in die Dusche.
Da Viola erst gegen 9 Uhr da sein wollte, hatte ich noch genug Zeit meine Wohnung noch ein wenig aufzuräumen.
Wenn mich die Arbeit stresste, sah man das leider auch meiner geräumigen Drei-Zimmer-Wohnung an. Meist hatte ich dann keine Lust irgendetwas auf oder wegzuräumen, außer ich wusste, Antonio würde vorbeikommen.
Kopfschüttelnd, weil ich eigentlich nicht an ihn denken wollte, lief ich zum Kühlschrank und versuchte mich mit Tischdecken abzulenken. Es klingelte, dann klopfte es einmal. Heute war Viola aber früh dran.
»Ist deine Uhr kaputt? Oder wieso bist du so früh«, rief ich und lief zur Haustür. Mit einem Lächeln öffnete ich die Tür.
»Vanzetti?«
»Guten Morgen. Ich war in der Gegend und wollte einfach nur hallo sagen«, stammelte er.
Der Polizeibeamte, der den Mordfall um Enzo, einem vertrauten meines Bruders und liebevollen Menschen, geklärt hatte, stand vor meiner Tür und ließ mein Herz höher schlagen. Ich erinnerte mich an die Nacht, in der wir herausgefunden hatten, warum Enzo sterben musste. Tiefe Traurigkeit überkam mich.
»Meinem Bruder geht es aber gut?«, fragte ich mit Panik in der Stimme.
»Ja. Jedenfalls hoffe ich das doch. Ich bin wegen ihnen hier.«
»Wegen mir?«, fragte ich skeptisch und überlegte, was ich die Woche alles angestellt hatte.
»Hätten sie Lust mit mir einen Kaffee zu trinken?«
»Oh. Ich würde sie ja rein bitten, aber Viola, sie kennen sie doch noch, wird gleich da sein. Was halten sie von morgen Mittag? Hätten sie da Zeit?«
Was zum Teufel hatte mich geritten, das zu sagen?
»Das klingt gut. Ich hab morgen frei. 15 Uhr? Ich hole sie hier ab.«
»Dann morgen gegen 15 Uhr zum Kaffee.« Wieso hatte ich bei dem Wort Kaffee ganz andere Gedanken?
»Bis dann Giana.«
Kurz vertiefte sich sein Blick, suchte meinen. Doch sofort schaute er verlegen zur Seite und ging die Stufen hinab. Ich rief ihm noch ein ciao hinterher. Dann hörte ich jedoch die Eingangstüre leise ins Schloss fallen.
Was war das? So schnell war ich noch nie zu einer Verabredung gekommen. Ich widmete mich wieder dem Tisch, als es erneut klingelte. Diesmal stand Viola vor der Tür.
»Sag mal, läuft da was mit Vanzetti?«
»Guten Morgen. Ich finde es, auch schön dich zu sehen,« sagte ich leicht genervt.
»Sorry. Aber er ist mir eben vor dem Haus begegnet. Er murmelte etwas und lief weiter. Oder gab es noch etwas wegen dem Vorfall?«
»Er hat mich zum Kaffee eingeladen.«
»Oh und wirst du mit ihm ...?«
»... Kaffee trinken? Ja. Er holt mich morgen gegen 15 Uhr ab.«
Ich wusste genau, was sie jetzt dachte. Der arme Antonio wurde fallen gelassen. Doch dem war nicht so. Ich hatte versucht, mit ihm zu reden. Hatte ihn sogar angefleht, eine Weile zu mir zu ziehen. Doch er lehnte ab mit einer fadenscheinigen Begründung; er hätte viel Arbeit. Wir waren kein Paar. Alles, was wir hatten, war verdammt guter Sex. Also war er mir keine Rechenschaft schuldig. Aber von Sergio wusste ich, dass Antonio seit dem Schuss auf ihn und Enzos Tod nicht als Dom gearbeitet hatte. Er bräuchte ein wenig Zeit für sich, hatte er meinem Bruder gesagt. Niemand konnte ihm das übel nehmen. Wir brauchten alle ein wenig Abstand von den Geschehnissen.
»Wo wollen wir zuerst shoppen gehen, wenn wir gefrühstückt haben?«
»Entscheide du. Ich folge dir.«
»Du musst ihm Zeit geben. Er ist viel sensibler ...«, sagte Viola leise.
»Denkst du, mir macht das nichts aus? Er hatte die Chance mit mir zu reden. Ich hätte ihm sogar erlaubt, sich mit der Gerte an mir auszulassen. Ich hätte alles für ihn gemacht. Doch stattdessen hat er mich von sich gedrückt. Hat mir die Tür aufgemacht und gesagt ich solle endlich gehen.«
Ich konnte es nicht aufhalten, die Tränen liefen über meine Wangen. Tropften von meinem Kinn auf den Boden. Schniefend lief ich ins Bad, wusch mein Gesicht und erneuerte mein lädiertes Make-up. Wenige Minuten später stand ich im Flur, und bat Viola nicht mehr von Antonio zu sprechen. Sie willigte in meine Bitte ein.
Stillschweigend frühstückten wir und riefen uns im Anschluss ein Taxi, das auch kurze Zeit später, wild hupend vor dem Gebäudekomplex stand, in dem ich wohnte.
Viola freute sich sichtlich auf den Tag mit mir. Seit sie und Sergio zusammen waren, war sie voll und ganz beschäftigt. Auf jede erdenkliche Weise, und ich gönnte es ihr, genauso wie meinem Bruder. Nur sahen wir uns dadurch immer seltener. Natürlich luden sie mich ständig ein; ins Herrenhaus. Doch ich lehnte stets ab. Denn dort würde ich zwangsweise Antonio über den Weg laufen. Das musste ich vermeiden und das war am einfachsten zu bewerkstelligen, indem ich nicht mehr dort hinging.



Mittlerweile hatten wir sechs Boutiquen aufgesucht und kannten deren Kollektion auswendig. Viola sah in den neu gekauften Dessous, die sie mir in der Umkleide präsentierte, einfach sexy aus. Sergio konnte sich glücklich schätzen.
»Du musst unbedingt vorbeikommen Giana und dir die Statue anschauen, die anstelle des Blütenhauses steht.«
»Ja mal sehen, wann ich Zeit habe. Könnten wir mal eine Pause vom Shoppen einlegen und irgendwo einen Kaffee trinken?«
»Klar. Vorne an der Ecke, neben dem neuen Jeans-Laden ist ein kleines Café.«
Wir verließen das Geschäft und liefen die paar Meter bis zu dem Café. Drinnen war es rustikal eingerichtet. Es duftete herrlich nach süßem Kuchen und Kaffee. Ich wagte einen Blick in die Theke. Dort zwinkerten mir Heidelbeer-Muffins, Erdbeercremeschnitten und verführerisch glänzende Triple-Chocolate-Brownies zu. Alles sah so verlockend aus und wollte auf meinen Teller. Doch letztendlich entschied ich mich für die Erdbeerschnitte und einen doppelten Espresso. Allerdings bat ich den Herrn hinter der Theke, mir noch zwei der Brownies einzupacken. Die würde ich heute Abend essen. Alleine. Meine Tröster, wie schon so oft in letzter Zeit.
Kaum hatte ich den letzten Tropfen meines Kaffees getrunken, hüpfte Viola schon vom Stuhl. Der Shopping-Marathon war noch lange nicht beendet. Sie schleppte mich weiter von einem Geschäft zum Anderen. Sie dachte nicht nur an sich, sondern kaufte auch für Sergio ein. Hemden, Krawatten und ein silbernes Armband, das ihrem ähnelte. Als wir uns weiteren Schmuck anschauten, veränderte sich ihr Blick.
»Sergio will nicht mehr lange warten mit der Hochzeit. Wir haben den Papierkram erledigt und ein Termin steht auch schon. Du bist eine der Ersten, die es erfährt«, sagte sie so schnell, dass ich erst geglaubt hatte, mich verhört zu haben.
Das waren gute Neuigkeiten. Ich freute mich wirklich für sie. Aber trotzdem versetzte mir dieses Wissen, das sie es tatsächlich amtlich machen wollten, einen Stich ins Herz. Wie gerne würde ich auch diese eine Person in meinem Leben haben, mit der ich durchs Leben gehen konnte. Genau genommen gab es diese Person, doch er wollte mich nicht.
»Das freut mich.« Ich umarmte Viola. »Wann soll die Hochzeit stattfinden?«, fragte ich.
»Am 12. September. Da sind wir genau drei Monate zusammen.«
Ich nickte nur. Für diesen Tag konnte ich mir keine Ausrede einfallen lassen und wollte ich auch nicht. Aber ich würde ihm begegnen.
»Das ist ja schon in zwei Wochen«, stellte ich fest.
»Es gibt allerdings eine Bitte, die Sergio und ich hätten.«
Mir schwante Böses und mir war nicht klar, ob ich ihnen diesen Wunsch erfüllen könnte.
»Wir wünschen uns, das du und Antonio unsere Trauzeugen seit. Bitte sag nicht gleich nein. Überleg es dir.«
»Ja mache ich. Wann werdet ihr mit ihm reden?« Ich war die Neugierde in Person, stellte ich mal wieder fest.
»Sergio wollte die Zeit heute nutzen und ihn fragen.«
Wie auf Kommando klingelte Violas Handy. Sie war eine der wenigen Personen, deren Handy bei eingehenden Nachrichten, wie ein altes Telefon aus den 80ern klingelte. Sie hielt mir das Handy vor die Nase.

Antonio hat zugesagt.

Na super. »Sehr schön.« Da ich mir nicht die Blöße geben wollte, sagte auch ich sofort zu. »Er soll nichts anderes als seinen besten Anzug tragen, wenn er neben mir steht.« Kaum waren die Worte ausgesprochen, bemerkte ich die Doppeldeutigkeit dessen, was ich gesagt hatte.
Viola umarmte mich und hüpfte dabei, wie ein Kleinkind auf und ab. Sofort tippte sie eine Antwort an Sergio zurück. Egal wie sehr ich mich gegen ein Wiedersehen mit Antonio sträubte, die Freude die Viola empfand, war ansteckend.
»Und nun lass uns weiter shoppen, solange wir noch genug Geld zum Ausgeben haben.«



Meine Füße schmerzten und ich war einfach nur glücklich, als ich den Schlüssel in die Tür steckte. Ich sah mich schon in der Wanne entspannen mit einem Glas Wein in der Hand.
Ich streifte meine Schuhe ab, stellte die unzähligen Taschen ins Schlafzimmer und zog mich aus. Nackt lief ich in die Küche, band dabei mein Haar zu einem Pferdeschwanz zusammen.
Ich öffnete den Kühlschrank, entnahm die halbvolle Flasche Wein und schenkte mir ein Glas ein. Mit dem vollen Glas lief ich ins Bad und ließ Wasser in die Wanne. Ich gab einiges von meinem hochwertigen Badeschaum hinein. Ich drehte den Flakon in der Hand. Antonio hatte ihn mir geschenkt. Ein herrlich fruchtiger Duft durchdrang die Luft.
Immer wieder nippte ich von dem süßen Wein, bis er leer war. Dann stieg ich in die Wanne. Himmlische Wärme empfing mich.
Ich schloss die Augen und ließ meinen Gedanken freien Lauf. Doch alles, was durch meine Hirnwindungen schwebte, war Antonio. Gedanken an eine unserer letzten Sessions begannen, mich zu erregen.
Langsam fing ich an, mich zu streicheln. Meine Brustwarzen reckten und streckten sich, als würden sie aus dem Dornröschenschlaf erwachen. Ich hob mein Becken an und glitt mit den Fingern in meine Scheide. Bilder von einem nackten Antonio flirrten vor meinem inneren Auge und erregten mich zutiefst. Ich sah seine Muskeln, die sich anspannten, wenn er mich im Stehen nahm; angekettet.
Ich war ausgehungert nach Sex, nach ihm. Deshalb dauerte es nicht lange, bis ich zuckend zum Höhepunkt kam. Ich war befriedigt, aber es fühlte sich nicht so gut an, wie ich es erhofft hatte.

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